Analytische Task Force: Braunschweigs Bewerbungschancen gering

Veröffentlicht am 1. September 2014

Stadtverwaltung und Land agieren zu spät und verpassen Chance

„Die Chancen, dass Braunschweig ein neuer Standort der Analytischen Task Force (ATF) des Bundes wird, sind sehr gering“, so der Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller. Dies wurde ihm vom Parlamentarischen Staatsekretär beim Bundesminister des Innern, Dr. Günter Krings, mitgeteilt.

„Fachlich wird Braunschweig zwar als geeigneter Standort angesehen, doch es spielt auch die geografische Lage eine entscheidende Rolle“, so Carsten Müller. Die Einrichtung des neuen siebten Standorts solle nach Auskunft des Staatssekretärs dazu genutzt werden, um die ATF-Standorte mit Blick auf die bundesweit angestrebte Eintreffzeit von zwei bis drei Stunden ab Alarmierung gleichermaßen zu verteilen. Die südöstlichen Randgebiete eines möglichen Braunschweiger Einsatzgebiets würden auf dem Landweg mehr als 300 Kilometer entfernt liegen. „Die Ansiedlung einer ATF in einem östlichen Bundesland könnte diese Gebiete besser abdecken und zusätzlich die Standorte München und Berlin entlasten. Daher wird sich derzeit darum bemüht, einen Standort in Sachsen oder Thüringen zu finden. Erst wenn die Suche dort erfolglos sein sollte, wird das Angebot der Stadt Braunschweig geprüft“, erklärt Carsten Müller.

Für den CDU-Parlamentarier, der sich für eine Ansiedlung der ATF in Braunschweig eingesetzt hatte, ist diese Nachricht enttäuschend. Er ist sich sicher: „Mit einer rechtzeitigen Einbeziehung der Braunschweiger Bundestagsabgeordneten und vor allem mit einer entschiedenen, frühzeitigen Unterstützung der Bewerbung durch das Land Niedersachsen hätte gemeinsam und somit viel schlagkräftiger auf den Prozess der Entscheidungsfindung eingewirkt werden können. Stadtverwaltung und Land agierten zu spät und verpassten so die große Chance. Bei zukünftigen Initiativen sollte eine andere, besser abgestimmte Vorgehensweise gefunden werden.“

Die Analytische Task Force (ATF) sind Spezialeinheiten zur Erkennung und Bekämpfung biologischer, chemischer oder radioaktiver Gefahren in Deutschland. Das Personal der ATF setzt sich aus Bediensteten der Länder bzw. der Städte zusammen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stattet die ATF-Standorte mit besonders leistungsfähiger Messtechnik sowie Einsatzfahrzeugen aus, koordiniert die Spezialausbildung und beteiligt sich an den Unterhaltskosten der Standorte. Aktuell sind die Berufsfeuerwehren Hamburg, Mannheim, Dortmund, Köln und München sowie das Landeskriminalamt Berlin als ATF-Standorte im Einsatz. Ein siebter Standort soll zukünftig dazu kommen.